2. Ostersonntag

Ein Herz und eine Seele?

Zweiter Ostersonntag/B

DIE GEMEINDE DER GLÄUBIGEN

WAR EIN HERZ UND EINE SEELE. (Apg 4,32)

FRIEDE SEI MIT EUCH! (Joh 20,19)

Manchmal erfahren wir Augenblicke fast paradiesischer Harmonie. Da wird spürbar: Friede ist mehr als Ausbleiben von

Konflikten oder Kriegen. Friede braucht unser Mühen, aber Friede ist wunderbares Geschenk.

Doch selten gelingt Friede. Auch wenn wir meinen, in Frieden zu leben, ist unser Friede oft faul, unwahr. Wir leben nebeneinander, nicht miteinander. Sind wir einander so wenig wert, daß wir nicht umeinander ringen, nicht einmal miteinander kämpfen?

Auch der Friede des Anfangs war getrübt.

Die einen, Zeugen der Auferstehung, zweifeln. Andere, Spätere, wollen sehen wie die Ersten und sind dem nackten Glauben ausgeliefert (Joh 20,24-29*). Wieder andere müssen sich — noch gegen Ende des 1.Jahrhunderts — hinter verschlossenen Türen vor ihren Gegnern verschanzen (Joh 20,19). Dieselbe Urgemeinde, die als ein Herz und eine Seele geschildert wird, ringt mit existenzbedrohenden Problemen.

SIE WAREN EIN HERZ UND EINE SEELE (Apg 4,32)

— nicht ohne Spannungen, Missverständnisse und Menschlichkeiten. Aber sie sehen ihren Konflikten ins Auge und mühen sich — oft ein Leben lang (so Paulus) — um die Einheit.

Sie stehen zueinander, trotz aller Spannungen.

Sie suchen die gemeinsame Mitte. Von ihr her wächst die Einheit, unter Schmerzen. So werden sie füreinander und für andere österliches Sakrament:

. . . SO SENDE ICH EUCH! (Joh 20,21)

 

Ostersamstag

 

Bockige werden gesendet

Ostersamstag

WIR KÖNNEN UNMÖGLICH SCHWEIGEN! (Apg 4,20)

Ob wir wollen oder nicht: Wir müssen Zeugnis ablegen, aus innerem, unwiderstehlichem Drang. Wir wären uns selbst untreu, wollten wir schweigen. Keine Risiken scheuen wir in der Leidenschaft unserer Liebe.

JESUS TADELT IHREN UNGLAUBEN UND IHRE

VERSTOCKTHEIT. (Mk 16,14)

Sie sind schwerfällig in ihrem Glauben. Dieselben, deren mutiges Auftreten die Apostelgeschichte schildert?

Auch die Leidenschaftlichsten waren einmal bockig.

Dennoch wurden sie gesendet.

Ihr Zeugnis hängt nicht (jedenfalls nicht nur) von ihrer menschlichen und christlichen Reife ab. Auch Unfertige, Unausgeglichene stehen im Dienst Gottes — Menschen, die mit sich und ihrer Welt im unreinen sind.

Einmal wird auch meine Widerspenstigkeit gezähmt sein.

Einmal werde auch ich ganz zur Verfügung stehen, durchformt von meiner Überzeugung.

Heute bin ich noch nicht so weit.

Das Leben muß mich weichklopfen.

Mein Kopf ist hart, mein Herz ist noch härter.

Ich brauche noch viele Feiern von Fastenzeit und Ostern, schmerzliche und wunderbare Erfahrungen, bis ich ganz gefügig bin.

Einstweilen — heute — lasse ich mich wenigstens zurechtweisen.

Und ich weiß mich gesendet mit meinem so dicken Schädel, der einmal bockt, dann durch die Wand rennen möchte und sich

dabei Beulen schlägt.

Ich bin gesendet mit meinem Starrsinn — schon bevor er gebrochen ist, nicht erst danach.

Osterfreitag

Miteinander finden

Osterfreitag

ES IST DER HERR! (Joh 21,79)

Der Lieblingsjünger, der besonders Vertraute, erkennt ihn an der Einladung zum Fischfang. Ein alltägliches Ereignis wird ihm zur Begegnung.

Petrus vertraut auf das Wort des Freundes, der ihm voran ist, der tiefer sieht und rascher glaubt als er.

KOMMT HER UND ESST! (Joh 21,12)

Wieder andere begegnen ihm beim Mahl.

Eine dunkle Ahnung sagt ihnen: Er ist da. Er — kein anderer.

Nicht Wunschtraum aus enttäuschter Hoffnung. Zu klar ist die Einsicht, zu überraschend, zu anders:

Ihr Jesus ist bei ihnen.

Verschieden sind ihre Wege.

Eines ist ihnen gemeinsam:

SIE WAREN BEISAMMEN. (Joh 21,2)

Auf der Flucht, in der Krise, in Feigheit und aufkeimender Hoffnung.

Zu sehr hatte er sie aneinander gebunden.

Die Enttäuschung zerstreute sie — und band sie, in der gemeinsamen Not, neu aneinander.

Sie waren beisammen.

So haben sie ihn einst begleitet.

So meinten sie, ihn verloren zu haben.

So haben sie ihn gefunden.

Wir sind beisammen.

So werden wir ihn finden.

Jeder auf seine Weise, aber miteinander.

 

Osterdonnerstag

 

Was hindert dich?

Osterdonnerstag

WARUM LASST IHR IN EUREM HERZEN SOLCHE ZWEIFEL AUFKOMMEN? (Lk 24,38)

Warum traut ihr mir nicht Wunderbares zu?

Die einen glauben nicht aus Angst, überfordert zu sein, aus Mißtrauen gegen Gott und seine Möglichkeiten.

Andere können aus freudiger Überraschung nicht glauben.

Zu wunderbar ist, was ihnen widerfährt.

Was hindert dich zu glauben?

ICH BIN ES! (Lk 24,39)

Bist du bereit für den Anruf?

Warum hängst du noch immer an deinen Erwartungen, Vorurteilen, Zweifeln und Freuden?

Österlicher Glaube wird dir vermutlich weder schwerer noch leichter fallen als den Ersten. Auch was jene erfahren haben,

war wohl anders, tiefer als körperliches Sehen und Essen.

ER ÖFFNETE IHNEN DIE AUGEN FÜR

DAS VERSTANDNIS DER SCHRIFT. (Lk 24,45)

Nicht aus eigener Kraft findest du den Weg zur Klarheit von Ostern. Deine Augen sind noch gehalten. Laß sie dir öffnen vom Wort der Schrift!

Im Alten Testament wirst du eine lange Erzählgemeinschaft von Menschen finden, die mitten im Leben mit seinem Reichtum und seiner Armut den lebendigen Gott, den Gott der Auferstehung, erfuhren.

In den Evangelien, im Neuen Testament wirst du mich finden, den Auferstandenen, der lebendig ist für dich . . .!